Die Belegschaft der Pernlohner-Brauerei

26. März 1905
Die Belegschaft der Pernlohner-Brauerei, 1905

Der Name Pernlohner ist in Rosenheim bereits im 16. Jahrhundert nachgewiesen. Der Überlieferung nach begründete Hans Pernlohner 1667 die Brauertradition in der Familie. Wegen der durch die Zunft begrenzten Anzahl von Braustätten in Rosenheim konnte Pernlohner jedoch kein Bier im eigenen Anwesen brauen, sondern begann sein Handwerk als Pächter der Flötzinger'schen Braustätte. Einige Jahre später konnte er schließlich sein eigenes Gast- und Bräuhaus im heutigen Anwesen Kaiserstraße 15 eröffnen. 1688 erwarb er ein Gütl auf dem Roßacker, um hier einen eigenen Lagerkeller für sein Bier zu errichten. Unter Hans Pernlohners Nachfolgern ist der aus der Oberpfalz stammende Johann Georg Huber zu erwähnen, der die Brauerei von 1737 bis 1776 führte.
Einen erheblichen Aufschwung erfuhr die Pernlohner-Brauerei ab 1846 unter ihrem neuen Besitzer Thomas Steinbök. Dessen erste Ehefrau, Walburga Soyer, hatte die Brauerei geerbt. Steinbök war eigentlich Müller und führte zunächst zugleich die Brauerei und die von seinen Eltern übernommene Burgermühle in der Färberstraße. Anfang der 1860er Jahre veräußerte er die Mühle und widmete sich ganz der Weiterentwicklung der Pernlohner-Brauerei. Steinbök baute
den Brauereistandort an der Ecke Kaiserstraße/Am Salzstadel stetig aus und ließ mit großem Aufwand auf seinem Grundstück am Roßacker die größte Rosenheimer Bierkellerwirtschaft entstehen. 1892 errichtete er zwischen Roßacker und Wittelsbacherstraße ein großes Lagergebäude. Steinbök prägte zudem maßgeblich die Rosenheimer Kommunalpolitik der Gründerjahre mit und führte den Titel eines kgl. Ökonomierates. Weil sein einziger Sohn Hubert 1881 beim Feuerwehrdienst tödlich verunglückte, führte Steinbök die Brauerei bis ins hohe Alter selbst. Er starb 1903 im Alter von 82 Jahren. Danach war die Pernlohner-Brauerei im Besitz einer Erbengemeinschaft, wobei Steinböks Schwiegersohn
Martin Diener, selbst Inhaber des Rosenheimer Hofbräus, die Hauptverantwortung für den Betrieb trug. 1917 entschlossen sich die Steinbök'schen Erben, die Brauerei zu schließen und den größten Teil des Grundbesitzes an die Münchner Großbrauerei Löwenbräu zu veräußern. Diese nutzte das Lagergebäude am Roßacker als Bierdepot; 1980 wurde es abgebrochen.
Das Kalenderbild zeigt die Belegschaft der Pernlohner-Brauerei vor dem Lagergebäude am Roßacker im Jahr 1905, zwei Jahre nach dem Tod von Thomas Steinbök.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/11

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