Die Baderestauration bei Leonhardspfunzen

um 1910
Die Baderestauration bei Leonhardspfunzen, um 1910

Entlang der gesamten Hangleite am rechten Innufer bei Rosenheim treten zahlreiche Quellen zu Tage. Sie wurden schon früh in Brunnen gefasst, wobei die so genannte Leonhardsquelle unterhalb des Dorfes Leonhardspfunzen heute die bekannteste Quelle ist. Schon im 18. Jahrhundert verwendete man einen antiken, aus der Römersiedlung Ad Enum stammenden Altarsockel als Brunnentrog für die Leonhardsquelle. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auch die neben dem Brunnen gelegene Kapelle neu errichtet. Die Votivtafeln in der Kapelle berichten von Heilungen durch das Quellwasser und von einstigen Wallfahrten.
In den 1870er Jahren entschloss sich Wolfgang Krug, der damalige Inhaber des Gasthauses „Zum Kirchmayerwirt“ in Leonhardspfunzen, die Heilkraft der Quelle und die idyllische Lage der Brunnenkapelle gastronomisch zu nutzen. Er eröffnete das „Mineralbad zur Leonhardsquelle“. Den Besuchern wurden hier Bäder in einem Holzbau, der in kleine Kabinen aufgeteilt war, verabreicht. In einer Annonce im „Rosenheimer Anzeiger“ warb Krug 1882 vollmundig, dass die Leonhardsquelle „höheren Eisengehalt besitzt als die Rosenheimer Mineralquellen und deßhalb zur gefälligen Benützung empfohlen sei“. Um die Erreichbarkeit der neuen Baderestauration zu verbessern, bot Krug damals sonntägliche Kahnfahrten von der Rosenheimer Innbrücke zum Flussufer nahe dem Leonhardsbrunnen an. Die Baderestauration scheint durchaus erfolgreich gewesen zu sein und für viele Rosenheimer wurde der Leonhardsbrunnen zum beliebten Ziel des sonntäglichen Familienspaziergangs. Ab dem Sommer 1889 ließ Krug seine Gäste täglich zweimal vom Ludwigsplatz aus mit dem Pferdefuhrwerk zu seinem Bad bringen. Spätestens im Jahr 1890 errichtete der rührige Gastwirt ein zweigeschossiges, mit Zierfachwerk verkleidetes Gasthaus neben der bestehenden Badehütte. Das Kalenderbild zeigt das Gasthaus um das Jahr 1910. Zwar wurde der Badebetrieb wenige Jahre später aufgegeben, das Gasthaus neben dem Leonhardsbrunnen besteht nach einigen baulichen Veränderungen aber noch heute.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/8

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