Vier Generationen der Familie Stempfl, 1925
um 1925
Es war für die damalige Zeit eine Besonderheit, als im Jahr 1925 vier Generationen der Familie Stempfl für ein Gruppenfoto posierten – im Alter von 85, 52, 25 und zwei Jahren.
Ganz links steht als ältestes Familienmitglied Georg Stempfl (I.), der 1840 in Niederbayern geboren wurde und von Beruf Ökonom war, wie man damals zu einem Landwirt sagte. Als Teilnehmer der Kriege 1866 und 1870/71 trägt er auf dem Foto seine Auszeichnungen auf der Brust. Sein Sohn Georg (II.), neben ihm, wurde 1873 ebenfalls in Niederbayern geboren. Mit seiner Ehefrau Kreszenz hatte er zwei Söhne und fünf Töchter. Drei Jahre lang diente er als Soldat an den Fronten des Ersten Weltkriegs. Georg Stempfl (II.) war wie sein Vater zunächst Landwirt, zog dann aber nach Pang bei Rosenheim, wo er als Gastwirt und Holzhändler tätig war. Er scheint wirtschaftlich sehr erfolgreich gewesen zu sein, denn 1922 konnte er ein stattliches Anwesen in Rosenheim erwerben, das unmittelbar an der Bahnbrücke gelegene Haus Kufsteiner Straße 59 (heute 69). Zusammen mit seiner Familie und seinem betagten Vater zog Georg Stempfl (II.) in das Anwesen, in dem damals insgesamt 18 Parteien lebten. Im Erdgeschoss des Hauses eröffnete er eine Bäckerei mit Kolonialwarengeschäft und handelte weiterhin mit Holz.
Neben ihm steht auf dem Foto sein ältester Sohn Georg (III.), der 1900 im niederbayerischen Dorf Hartkirchen auf die Welt kam. Er zog erst 1924 von Griesbach nach Rosenheim in das Anwesen seines Vaters. 1926 meldete er hier ein Gewerbe als Vulkaniseur an, montierte und reparierte also Gummireifen und -schläuche. Zwei Jahre später gründete er ein Kraftomnibusunternehmen und die Vulkanisieranstalt führte sein 1901 geborener Bruder Ludwig weiter. Zwar erhielt Georg Stempfl (III.) 1930 die Lizenz zum Betrieb eines Stadtverkehrs in Rosenheim, schon 1931 zog er jedoch nach Geisenfeld bei Ingolstadt, um hier ein Omnibusunternehmen aufzubauen. Zusammen mit seiner Ehefrau Rosina hatte Georg Stempfl (III.) einen Sohn und eine Tochter, die 1923 geborenen Zwillinge Josef und Rosa. Josef ist, auf einem Bugholzstuhl platziert, als Jüngster auf dem Familienfoto von 1925 zu sehen.
Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2020/4