Vorstadtszenerie in der Sandstraße

um 1910
Vorstadtszenerie in der Sandstraße, um 1910

Bei der Neubenennung der Rosenheimer Straßen im Jahr 1882 wählte man für den von der Münchener Straße in Höhe des Gasthofs „Münchener Hof“ abzweigenden Weg den Namen „Sandstraße“. Vermutlich erinnerte diese Bezeichnung an die nahegelegenen Flötzinger'schen Kiesgruben. Die Bebauung der Sandstraße mit dreigeschossigen Mietshäusern erfolgte überwiegend während der 1890er Jahre.
Im Jahr 1900 zählte die Straße laut dem damaligen Rosenheimer Adressbuch acht Hausnummern. Die Bewohner der Häuser waren überwiegend Eisenbahner mit Berufen wie Bahnschlosser, Kondukteur, Wagenwärtergehilfe, Wagenputzerobmann, Rangiermeister oder Stationsdiener. Die Sandstraße war ein typisches „Kleine-Leute-Viertel“; Eisenbahner- und Arbeiterfamilien lebten in kleinen Wohnungen auf vergleichsweise engem Raum zusammen. In den Hinterhäusern gab es einige Gewerbebetriebe.
Das Kalenderbild zeigt den Blick in die Sandstraße in Richtung Kellerstraße um 1910. Links angeschnitten ist das Rückgebäude des Hauses Münchener Straße 72, daneben folgt das Doppelhaus Sandstraße 1/3, das 1890 im Auftrag des offenbar begüterten Heizers Johann Mayerl durch Baumeister Max Lutz erbaut worden war. Anschließend folgen die Häuser Nummer 5, 7, 9 und 11. Im Hintergrund ist das Mietshaus Kellerstraße 12 zu sehen und auf der rechten Straßenseite liegt hinter dem Garten das Haus Sandstraße 4. Der Zaun vor dem Garten wurde vom Fotografen der als Postkarte verlegten Straßenansicht aus nicht bekannten Gründen retuschiert. Wohl aus Neugier haben sich für den Fotografen einige Kinder aus dem Viertel postiert. Sie erinnern daran, dass gut die Hälfte der Rosenheimer Bevölkerung am Beginn des 20. Jahrhunderts jünger als 20 Jahre alt war.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/9

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