Speisesaal des Gasthofs „König Otto“

1924
Speisesaal des Gasthofs „König Otto“, 1924

Wegen seiner Lage unmittelbar am Eingang zur Altstadt beherbergte das Haus Max-Josefs-Platz 1 schon im 17. Jahrhundert einen Gasthof. Erster namentlich bekannter Gastwirt war 1633 Wolf Hupfauf. Ab 1814, mehrere Generationen später, besaß der Gastwirt Lorenz Lummer, ein gelernter Metzger aus der Nähe von Landsberg, das Anwesen. Er ließ die Fassade des Hauses im klassizistischen Stil umgestalten, wie sie noch heute weitgehend erhalten ist. Im  Dezember 1832 gelangte der bayerische Königssohn Otto als neuer König von Griechenland auf der Reise in sein künftiges Reich durch Rosenheim. Zu Ehren des Königs benannte Lorenz Lummer seinen Gasthof in „Zum König Otto von Griechenland“ um. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb 1896 Franz Antreter, Wirtssohn aus Stephanskirchen und zuvor in München als Wirt tätig, den Gasthof. Er schenkte im „König Otto“ Münchner Löwenbräu-Bier aus und führte den Betrieb überaus erfolgreich. Nach seinem Tod 1917 wurde der Gasthof an die Firma Löwenbräu verkauft, die damals im Raum Rosenheim stark expandierte. 1924 ließ die Münchner Brauerei die Gasträume nach Plänen des Architekten Karl Kugler neu gestalten. Der Speisesaal im Erdgeschoss, den das Kalenderbild zeigt, erhielt im Zuge des Umbaus große Rundbogenfenster. Die im ersten Obergeschoss gelegenen Nebenzimmer wurden 1937 zu einem großen Saal zusammengelegt. Dieser Umbau machte den „König Otto“ auch für die Durchführung von größeren Veranstaltungen und Faschingsbällen attraktiv.
Im Zuge der Rückerstattung von während der NS-Herrschaft arisiertem Vermögen ging der Gasthof 1949 in den Besitz von Dr. Hermann Schülein über, dem 1938 in die USA emigrierten früheren Generaldirektor von Löwenbräu. 1952  veräußerte Schülein das „König-Otto“-Anwesen an den Rosenheimer Gemüsegroßhändler Alois Pan. Dieser ließ 1963 anstelle des Biergartens an der Ecke zur Prinzregentenstraße einen Anbau errichten, in den ein Supermarkt einzog. Im Jahr darauf verpachtete Pan Gaststätte und Hotel an die Firma „Wienerwald“. Mit seinen Brathendln als Spezialität erfreute sich das Restaurant in den folgenden Jahrzehnten großer Beliebtheit in Rosenheim. Der Hotelbetrieb in den Obergeschossen wurde um 1970 aufgegeben, das „Wienerwald“-Restaurant schloss Ende der 1980er Jahre. Heute bestehen in dem Gebäude Läden und Büros.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/3

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