Die Roßacker-Kapelle

um 1905
Die Roßacker-Kapelle, um 1905

Der Brauer Christoph Jäger, der von 1654 bis 1678 den sogenannten „Bräu in der Gassen“ in der heutigen Heilig-Geist-Straße besaß, hatte ein Gut auf dem Roßacker erworben, um dort einen Bierkeller zu erbauen. Ab 1723 war der „Bräu in der Gassen“ im Besitz des Martin Schmetterer, der zusammen mit seiner Ehefrau Magdalena 1737 auf dem Bierkeller eine Kapelle errichten ließ. 1739 erfolgte die Weihe der Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau und der Sieben Zufluchten.
Baumeister der Kapelle war Abraham Millauer, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Barockkirchen im bayerischtiroler Grenzgebiet schuf. Die Eingangsfront der in das Schmetterer'sche Kellerhaus eingebauten Kapelle gestaltete Millauer mit seitlichen Pilastern und einem darüber liegenden hohen Giebelfeld, über dem sich ein Glockentürmchen mit geschweifter Kuppelhaube erhebt.
Der hoch proportionierte Innenraum der Kapelle besticht bis heute durch seine einheitliche Rokoko-Ausstattung. Das große Deckengemälde mit Szenen aus dem Leben der hl. Maria Magdalena schuf der Münchner Hofmaler Johannes Zick. Martin und Magdalena Schmetterer stifteten auch ein Grundstück zum Unterhalt eines Benefiziaten. Dieser bezog die links an die Kapelle angebauten Räume.
Als 1781 die Liegenschaften des ehemaligen „Bräus in der Gassen“ versteigert wurden, erwarb der Flötzinger-Bräu Sebastian Zollner das Kellerhaus am Roßacker mit der Kapelle. Im Zuge der Säkularisation sollte die Kapelle abgebrochen werden, wozu es jedoch nicht kam, weil sie der Flötzinger-Bräu Zollner als sein Eigentum reklamierte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand im südlichen Teil des Kellerhauses die Gaststätte „Flötzinger-Löchl“; dafür wurden ein Trakt mit Gaststuben, dazu Veranden und eine Kegelbahn angebaut. Der nördliche Teil des Kellerhauses mit der Kapelle und der einstigen Benefiziatenwohnung blieb jedoch baulich weitgehend unverändert. Somit bildet die Roßackerkapelle bis heute ein kunstgeschichtliches Kleinod mitten im dicht bebauten westlichen Teil des Rosenheimer Stadtkerns.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2015/12

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