Radfahrer mit Klepper-Faltbooten, um 1910

um 1910

Schon bei der großen Gewerbeausstellung 1898 präsentierte das Rosenheimer Herrenkonfektionsgeschäft Klepper „Reise- und Sports-Costüme", ganz auf die Ansprüche des aufkommenden Alpentourismus ausgerichtet. Im Jahr darauf übernahm der Schneidergeselle Johann Klepper das am Max-Josefs-Platz ansässige Geschäft seines Vaters. Als leidenschaftlicher Bergsteiger und Wintersportler baute er das Sportangebot des Ladens kontinuierlich aus. 1904 meldete Klepper das Patent für einen zusammenklappbaren Schlitten an und 1907 erwarb er von dem Münchner Architekturstudenten Alfred Heurich die Lizenz für dessen Konstruktion von Faltbooten. Diese wurden aus Bambusrohren zusammengebaut und mit Leinwand überzogen. Klepper entwickelte das Produkt weiter und verkaufte es deutschlandweit als „zusammenlegbares Touristenboot". Das Kalenderbild entstand um 1910 und zeigt zwei radelnde Ausflügler in der Rathausstraße, ausgerüstet mit Rucksäcken und verpackten Faltbooten.
Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Johann Klepper zusammen mit Karl Stich die „Johann Klepper & Co. GmbH" und begann mit der Produktion von Faltbooten in industriellem Umfang. Ab 1920 bestand die Bootshaut aus absolut wasserdichtem, gummiertem Gewebe. Klepper-Boote dominierten bald den Faltbootmarkt und wurden weltbekannt. Dafür sorgten auch Expeditionen und die spektakuläre Atlantik-Überquerung des Kapitäns Franz Romer mit einer Faltbootsonderkonstruktion im Jahr 1928. Bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin fanden erstmals auch Faltboot-Wettbewerbe statt, wobei die ersten Plätze mit Klepper-Booten gewonnen wurden. Schon seit den frühen 1920er Jahren hatte das Unternehmen seinen Sitz südlich des Rosenheimer Bahnhofs und produzierte auch Gummischuhe, Zelte und wasserundurchlässige Mäntel. „Fahr fröhlich in die weite Welt mit Klepper-Boot und Klepper-Zelt!" lautete der bekannte Werbespruch.
Ab 1929 führte Johann Kleppers Sohn Hans die Klepper-Werke, die nach dem Zweiten Weltkrieg Rosenheims größter Arbeitgeber waren. Die Nachfrage nach Faltbooten ging schließlich mit dem Aufkommen von Kunststoffkajaks zurück und nach Hans Kleppers Tod 196 7 wechselte das Unternehmen mehrfach den Besitzer. Heute werden unter dem Namen Klepper immer noch Faltboote in geringer Stückzahl produziert. Seit 2001 erinnert ein kleines Museum im einstigen Werksgelände an der Klepperstraße an ein bedeutendes Stück Rosenheimer Wirtschaftsgeschichte.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/9

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