Mitglieder der Salinenfeuerwehr, 1918

1918

Im Jahr 1900 waren 735 Männer in den Rosenheimer Feuerwehren organisiert. 263 aktive Mitglieder zählte die 1860 gegründete Freiwillige Feuerwehr, 253 weitere Männer gehörten der sogenannten Pflichtfeuerwehr an, die sich aus Haus- und Grundbesitzern sowie Gewerbetreibenden zusammensetzte. 96 Mitglieder gehörten der Feuerwehr der Saline an, und aus jeweils 50 Männern bestanden die Fabrikfeuerwehren der Maschinenfabriken N. T. Stumbeck und Hauf, wie der damalige Inhaber der Beilhack'schen Fabrik hieß. Rosenheims kleinste Feuerwehr war 1900 die 23 Männer umfassende Feuerwehr der Seilerwarenfabrik J. A. Hubers Söhne. Nicht zum örtlichen Feuerwehrpersonal gezählt wurde damals die Feuerwehr des Bahnmeisterdistrikts Rosenheim mit 30 Mann, die sich allerdings regelmäßig an Hauptübungen und Löscharbeiten im Stadtgebiet beteiligten. Somit war das örtliche Feuerlöschwesen an der Wende zum 20. Jahrhundert gut organisiert, wobei die Freiwillige Feuerwehr ihre Löschrequisiten in drei über das Stadtgebiet verteilten „Feuerhäusern" untergebracht hatte.
Die Saline, die lange Zeit als größter Salzproduzent in Bayern galt, verfügte schon ab ihrer Gründung 1810 über eine eigene Feuerspritze. Der Salzsiedeprozess in den Sudhäusern und die Brennholzlager auf dem Salinengelände sorgten für eine erhöhte Brandgefahr. 1837 trat deshalb eine eigene Feuerlöschordnung in Kraft. Zwei Nachtwächter waren damals im Einsatz, um rechtzeitig mögliche Brände zu entdecken. Als sich die Salinenfeuerwehr 1872 neu organisierte, verfügte sie über eine Schubleiter mit rund 15 Metern Länge und eine Saug- und Druckspritze. Bis zu ihrer Schließung 1958 besaß die Saline eine Betriebsfeuerwehr, wobei die Anzahl ihrer Mitglieder inzwischen stark zurückgegangen war. Das Kalenderbild zeigt den 1. Steigerzug der Salinenfeuerwehr im Kriegsjahr 1918. Ein Steigerzug hatte vor allem die Aufgabe, beim Brand von Gebäuden die Leitern an den Einsatzort und in Position zu bringen. So konnte noch vor dem Eintreffen der Feuerspritze mit den Löscharbeiten und mit der Rettung von Personen und Sachgütern begonnen werden. Im Steigerzug waren meist die Männer mit der besten Körperbeherrschung vertreten. Der auf dem Bild zu sehende Steigerwagen diente dem Transport der Leitern.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/3

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