Innenraum der Pfarrkirche von Pang bei Rosenheim, 1906

1906

Rund fünf Kilometer südwestlich der Rosenheimer Altstadt liegt Pang. Schon 752 wird der Ort als „Painga“ erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem Hochmittelalter war Pang Sitz eines Adelsgeschlechts und bildete als Hofmark einen Verwaltungsbezirk mit niederer Gerichtsbarkeit. Im frühen 19. Jahrhundert entstand die Landgemeinde Pang, die die Dörfer Pang, Westerndorf und mehrere Weiler und Einöden umfasste. Mit 49 Anwesen im Jahr 1812 war Pang für damalige Verhältnisse ein ausgesprochen großes Dorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden um den alten Ortskern zahlreiche Neubausiedlungen. Die Eingemeindung von Pang nach Rosenheim erfolgte 1978.
Die Pfarrei Pang bestand bereits im Mittelalter und umfasst noch heute einen großen Teil des sogenannten Wasen, wie man die Gegend südlich von Rosenheim nennt. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde im 15. Jahrhundert neu errichtet. Der vom Vorgängerbau übernommene Turm erhielt damals einen Spitzhelm. Im frühen 18. Jahrhundert gestaltete man das Kircheninnere im Stil des Barock um.
Weil sie als zu klein galt, wurde die Kirche 1850 weitgehend abgebrochen und nach Plänen des kgl. Civil-Bauinspektors Carl Reuter neu erbaut. Die Altäre fertigte der Münchner Stuckateur Viotti nach Plänen Reuters, die Altargemälde schufen Franz Xaver Glink, ebenfalls aus München, und Georg Lagler aus Neubeuern. 1880/81 entstand die Ausmalung des Kirchenraums durch den Rosenheimer Maler Mathias Schröder. 1937 wurden der Innenraum schließlich weiß getüncht und die farbigen Fenster entfernt; 1966 entfernte man nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch Kanzel, Chorgestühl und Kommunionbank. Trotz dieser Veränderungen hat sich in der Panger Kirche eine bemerkenswerte Raumgestaltung des 19. Jahrhunderts erhalten. In einem Kirchenführer des Verlags Schnell & Steiner von 1998 heißt es: „Im Innern […] ist der weite Raum mit offenem Dachstuhl seit der Wiederherstellung seiner Farbigkeit 1990 eines der besten Beispiele einer Pfarrkirche des mittleren 19. Jh., einer Zeit des Übergangs von klassizistischen zu mittelalterlichen Stilvorbildern.“

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2020/12

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