Flugzeug der Bayerischen Fliegertruppe in Küpferling, 1915
1915
Fast halb Rosenheim war auf den Beinen, als am 16. April 1915, gut ein Dreivierteljahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs, zwei Flugzeuge am westlichen Stadtrand nahe der Küpferlingstraße landeten. Die beiden Piloten der Bayerischen Fliegertruppe, darunter der aus Rosenheim stammende Anton Ringler, waren zuvor mit ihren Flugzeugen mehrmals über der Stadt gekreist und präsentierten sich dann den zahlreichen Schaulustigen. Der traurige Anlass für den Besuch der Flieger war die Beisetzung des Leutnants Karl Vonlohr, der drei Tage zuvor zusammen mit seinem Begleiter Mathias Meyer mit einem Flugzeug nahe Fürstätt abgestürzt und dabei ums Leben gekommen war. Während man den Leichnam Meyers in dessen Heimat bei Dachau überführt hatte, fand die Beisetzung Vonlohrs unter Beteiligung zahlreicher Behörden- und Vereinsvertreter und hunderter Bürger am Rosenheimer Friedhof statt. Während der Trauerfeier wurden aus zwei weiteren Flugzeugen Blumen über der Stadt abgeworfen.
Der „Rosenheimer Anzeiger" schrieb voller Kriegsbegeisterung, die Stadt habe bei der Trauerfeier „gezeigt, wie es die Helden, welche ihr Leben dem von Feinden bedrohten Vaterland opferten, zu ehren weiß". Zugleich wurde der Rosenheimer Bevölkerung mit dem Flugzeugunglück und der steigenden Zahl von Gefallenen die grausame Wirklichkeit des Krieges zunehmend bewusst. Dem Gedächtnis an die beiden Piloten Karl Vonlohr und Mathias Meyer wurde später die 1916/17 nahe Fürstätt errichtete Kapelle gewidmet, die bis heute „Fliegerkapelle" genannt wird.
Der Unteroffizier Anton Ringler, der zu Ehren seiner verunglückten Kameraden nach Rosenheim gekommen war, überlebte die Beisetzung Karl Vonlohrs nur um zwei Wochen. Am 1. Mai 1915 sollte er mit einem Begleiter einen Doppeldecker von den Otto-Flugzeugwerken in München zum Flugplatz Schleißheim bringen. Nachdem sie das Gaswerk in München-Oberwiesenfeld in zu geringer Höhe überflogen hatten, stürzte das Flugzeug ab, beide Piloten kamen ums Leben.
Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/2