Die Engel-Apotheke an der Ecke Münchener Straße/Bahnhofstraße, um 1905
um 1905
Fast drei Jahre dauerte es, bis in den 1890er Jahren eine dritte Apotheke in Rosenheim genehmigt wurde. Neben der traditionsreichen Rieder'schen Apotheke am Ludwigsplatz gab es seit 1871 die Marien-Apotheke am Max-Josefs-Platz. Als sich der Pharmazeut Karl Grimm aus München im Juli 1894 um eine Konzession zur Eröffnung einer weiteren Apotheke bewarb, rief der Magistrat zunächst dazu auf, dass „etwaige Mitbewerbungsgesuche nebst den vorschriftsmäßigen Approbations-, Vermögens- und Leumundszeugnissen“ eingereicht werden können. Im September 1894 beschloss der Magistrat schließlich, das Gesuch um eine dritte Apotheke in der Stadt abzulehnen, auch aufgrund „der von den beiden hiesigen Apothekenbesitzern eingereichten Gegenvorstellungen, die […] den thatsächlichen Verhältnissen vollkommen entsprechen“. Zwar verfolgte Karl Grimm seinen Antrag daraufhin nicht mehr weiter, trotzdem beschloss das kgl. Staatsministerium des Innern aber im April 1896, „daß zur Errichtung und zum Betriebe einer dritten Apotheke in Rosenheim – vorbehaltlich der Platz- und Personenfrage – eine Konzession zu ertheilen sei“. Begründet wurde der Beschluss, der auf eine Stellungnahme des dem Ministerium unterstehenden Obermedizinalausschusses zurückging, vor allem mit der stark gestiegenen Einwohnerzahl von Rosenheim, die sich seit der Eröffnung der Marien-Apotheke von knapp 6.000 auf inzwischen über 12.000 verdoppelt hatte. Damit setzte sich das Ministerium über den Stadtmagistrat und auch über die kgl. Kreisregierung von Oberbayern hinweg.
Als Standort für die neue Apotheke zeichnete sich das seit den 1870er Jahren neu entstandene Bahnhofsviertel im Westen der Stadt ab. Im November 1896 erhielt schließlich der Apotheker Hans Bauer aus Straubing die Konzession, sich in Rosenheim niederzulassen. Noch vor dem Jahreswechsel 1896/97 erwarb Bauer das Haus Münchener Straße 29, zentral an der Ecke zur Bahnhofstraße gelegen. Am 15. April 1897 eröffnete er hier die „Engel-Apotheke“ und Rosenheim verfügte somit über drei Apotheken. Die Fotografie des Hauses Münchener Straße 29 entstand um 1905, links ist das Amtsgerichtsgefängnis zu sehen.
Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2020/10