Der Musikpavillon auf dem Volksfest 1909

1909

Zwischen 4. und 12. September 1909 fand auf der Loretowiese das erste Rosenheimer Volksfest des 20. Jahrhunderts statt. Die Hauptattraktion des Festes bildete die zur Ausstellungshalle umgestaltete Turnhalle an der Kaiserstraße. Im nördlich angrenzenden Park des Kaiserbades befanden sich weitere Ausstellungsflächen. Das eigentliche Festgelände auf der Loretowiese ließ sich grob in zwei Bereiche unterteilen: Die westliche Hälfte der Wiese enthielt weitere Ausstellungsgebäude, die östliche Hälfte war überwiegend den Schankbetrieben und Schaustellergeschäften der „Budenstadt“ vorbehalten.
Sowohl die Ausstellungshallen als auch der Glückshafenpavillon und der Festpavillon, der eine Büste von Prinzregent Luitpold enthielt, waren von Stadtbaumeister Ferdinand Schlögl entworfen worden. Sie waren weiß getüncht und mit geometrischen Ornamenten verziert. Die Festbauten waren außerdem mit Girlanden und Kränzen aus Tannenzweigen geschmückt, wie dies auch für die Münchner Oktoberfestbauten dieser Zeit typisch war.
Etwa in der Mitte der Loretowiese hatte man das von einer weißen Brüstung eingerahmte Tanzpodium aufgebaut. Daneben lag ein von der Firma Steinbeis errichteter Musikpavillon. Er erhob sich über einem achteckigen Grundriss, war elegant gestaltet und von einem Kuppeldach überdeckt. Mit der Aufstellung des Pavillons präsentierte sich die Firma Steinbeis als eines der führenden Unternehmen der Region. Der Industriepionier Otto von Steinbeis war seit den 1860er Jahren als Holzhändler in Brannenburg tätig, errichtete in den 1880er Jahren ein Sägewerk in Rosenheim und begann 1892 die forstwirtschaftliche Erschließung großer Waldgebiete in Bosnien, wo er zeitweise bis zu 11.000 Arbeiter beschäftigte. Ab 1910 setzte er seine Vision einer Bergbahn auf den Wendelstein in die Tat um.
Nach dem Ende des Rosenheimer Volksfestes wollte die Stadtgemeinde den abgebauten und eingelagerten Musikpavillon für 1.000 Mark von der Firma Steinbeis erwerben, um ihn im Salingarten oder an einem anderen Standort aufzustellen. Wohl wegen der Kosten der erneuten Aufstellung kam die Wiedererrichtung des Pavillons jedoch nicht zustande.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2020/9

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