Das Wohn- und Geschäftshaus Innstraße 14, um 1900
um 1900
Inspiriert von den großstädtischen Ausmaßen des 1897 fertiggestellten Gillitzer- Blocks ließen sich Rosenheimer Bürger ähnlich repräsentative, meist viergeschossige Wohn- und Geschäftshäuser erbauen. Zu diesen Häusern zählt das ab 1899 errichtete Anwesen des Kaufmanns Michael Neff in der Innstraße 14. Zuvor stand hier ein kleines, vorstädtisches Haus, in dem Michael und Therese Neff ein Putzgeschäft betrieben. Damit bezeichnete man den Handel mit Damenhüten, wobei in einem Putzgeschäft oft auch sogenannte „Galanteriewaren“, also modisches Beiwerk wie Schals, Handschuhe oder Fächer verkauft wurden. Daneben konnte man im Neff'schen Geschäft Blumen und Trauerwaren erstehen.
Im Juli 1900 war der Neubau durch den Rosenheimer Baumeister Max Lutz fertiggestellt. Wegen der in den Jahren zuvor erfolgten Ausbaggerung der Mangfall war der Grundwasserspiegel im Bereich der Innstraße so weit gesunken, dass das Gebäude vollständig unterkellert werden konnte. Stilistisch war der Bau im Sinne der „Deutschen Renaissance“ gestaltet worden. Während das Erdgeschoss des Hauses mit seinen großen Rundbogenöffnungen mit Kalkstein verkleidet war, präsentierten sich die Obergeschosse als Sichtziegelfassade. Im Erdgeschoss lagen drei Geschäfte, jenes der Familie Neff und zwei kleinere Läden. Die Obergeschosse enthielten großzügig geschnittene Wohnungen, darunter die der Hausbesitzerfamilie.
Michael Neff war im öffentlichen Leben Rosenheims auch als langjähriger Gemeindebevollmächtigter und Magistratsrat sowie als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr bekannt, Therese Neff amtierte als Vorsitzende des Christlichen Müttervereins. 1917 starb Michael Neff im Alter von 69 Jahren, bei ihrem Tod 1951 war Therese Neff mit 93 Jahren die älteste Bürgerin Rosenheims.
Nach einer Umgestaltung der Schaufensterfront 1957 im Geschmack der damaligen Zeit wurde das Hutgeschäft Neff in den 1960er Jahren geschlossen. Von 1932 bis in die Mitte der 2000er Jahre bestand im Erdgeschoss auch das Fotografengeschäft Baltheiser. Bereits 1960 hatte das Rosenheimer Ehepaar Robert und Therese Hartl das Haus von den Neff'schen Erben erworben. 2015/16 erfolgte schließlich eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes, wobei man die Fassade in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherstellte.
Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2020/1