Das Pernlohner-Haus, Kaiserstraße 15, um 1920

um 1920

„Der trutzigfeste Bau mit seiner breiten zweiseitigen Front gibt der ganzen Straße den Charakter'·, schrieb Stadtarchivar Ludwig Eid 1907 über den Brauereigasthof „Zum Pernlohner", Kaiserstraße 15. Damals lagen in der Straße noch vier Brauereien - der Pernlohner-Bräu, der Stern-Bräu, der Hofbräu und der Flötzinger-Bräu, wobei dieser zum Teil bereits in eine neue Produktionsstätte am Roßacker verlagert worden war. Das Pernlohner-Anwesen dürfte im Kern auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, als die Wiesengasse, wie die Kaiserstraße einst hieß, als Teil des Äußeren Marktes entstanden war. Gut zwei Dutzend Bürgerhäuser säumten einst die Gasse, einige wurden im Lauf der Zeit zu größeren Anwesen zusammengelegt, darunter auch das Pernlohner-Haus. Ein im Haus erhaltener gotischer Fletz samt Treppenaufgang dürfte noch vor 1542 entstanden sein, als ein großer Brand in der Wiesengasse wütete. Seinen Hausnamen „Zum Pernlohner" erhielt das Anwesen ab 1668 mit Hans Pernlohner, der die Brautradition im Haus begründete. Ab 1846 war es Thomas Steinbök, der die Brauerei zu einem der größten Betriebe der Branche in Rosenheim ausbaute. Zahlreiche Gaststätten in der Stadt und ihrer Umgebung schenkten damals Pernlohner-Bier aus. 1903 starb Thomas Steinbök im Alter von 82 Jahren. Seine Erben veräußerten die Brauerei 1917 an die Münchner Löwen-Brauerei. Die Brauerei wurde somit stillgelegt, und in den einstigen Pernlohner-Wirtschaften bezog man nun Löwenbräu-Bier.
Das Kalenderbild entstand Anfang der 1920er Jahre, als die Gaststätte noch unter ihrem traditionellen Namen betrieben wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte das Lokal zeitweise unter der Bezeichnung „Ägidi-Stuben". Ein tiefgreifender Umbau in den 1990er Jahren ließ von der historischen Bausubstanz des PernlohnerHauses wenig übrig. Links ist auf der Abbildung auch das Haus Kaiserstraße 13 zu sehen. Dessen frühester nachweisbarer Hausherr war im 17. Jahrhundert der aus Rattenberg stammende Seiler Michael Herzog. Im 20. Jahrhundert bestand lange eine Metzgerei im Haus. Rechts fällt der Blick in die ehemalige Kochgasse, die ihren Namen von den früher hier ansässigen Betrieben von Garköchen ableitete. Bei der Straßenneubenennung 1882 wurde die Kochgasse in den Platz „Am Salzstadel" miteinbezogen.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/1

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