Blick vom Schloßberg auf Innlände und Altstadt, um 1920

um 1920

Rosenheim verdankt seine Entstehung der Lage am Inn und damit am Ausgang eines der wichtigsten Alpentäler. Die lnnschifffahrt machte den Ort ab dem späten Mittelalter zum wichtigen Warenumschlagplatz und brachte seiner Bevölkerung Wohlstand. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielt Friedrich Wilhelm Doppelmayr in seinen Zeichnungen das rege Leben an der Rosenheimer Innlände bei der Ankunft der mit Waren beladenen Plätten fest. Der Bau des Eisenbahnnetztes leitete jedoch den Niedergang der Innschifffahrt ein. Die 1854 begründete Dampfschifffahrt auf dem Inn wurde mangels Nachfrage schon Anfang der 1860er Jahre wieder eingestellt. Auch die Zahl der Innplätten ging nach dem Eisenbahnanschluss kontinuierlich zurück. Fuhren im Jahr 1871 noch 634 Transportschiffe auf dem Inn, waren es bis Ende der 1880er Jahre jährlich nur noch rund 170. Somit war es im Lauf des 19 . Jahrhunderts immer stiller geworden am Rosenheimer lnnufer. Vom Inn, der einstigen „Lebensader" Rosenheims, wandte sich die Stadt in ihrer baulichen Entwicklung zunehmend ab. Stattdessen wurde das Viertel um die Münchener Straße und die Bahnhofstraße zum Mittelpunkt der Bautätigkeit.
Das Kalenderbild zeigt den Blick vom Schloßberg auf die Innlände südlich der Straßenbrücke über den Fluss um 1920. Nur wenige ländliche Häuser standen unmittelbar an der Innlände. Ganz rechts ist der sogenannte Bruckbaustadel zu sehen, in dem sich seit den 1980er Jahren das Inn-Museum befindet. Weiter links steht - mit der Giebelseite zum Fluss gerichtet - ein bäuerliches Wohnhaus mit der ursprünglichen Anschrift ,,Innlände 6" , heute „Floßweg 4 ". Um 1900 stand das Anwesen im Besitz des Landwirts Josef Glas!, der hier mit seiner Familie lebte. 1899 war das Haus durch das große Hochwasser und 1900 durch einen Brand schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Ab den 1930er Jahren gehörte das Anwesen dem Wagner und Landwirt Franz Xaver Breiter. Lange Zeit stand an der Fassade eine überlebensgroße Figur des hl. Johann Nepomuk, des Patrons der Schiffer und Flößer. Sie stammte vielleicht aus der 1728 an der Innbrücke errichteten Nepomukkapelle, die 1807 im Zuge der Säkularisation abgebrochen werden musste. 1996 konnte die Figur vom Städtischen Museum erworben werden.
Links sind auf dem Bild die Gebäude der 1875 gegründeten Betonwarenfabrik Bernrieder zu erkennen. Im Hintergrund erheben sich die Zwiebeltürme der Altstadtkirchen, die zusammen mit einigen Fabrikkaminen die damalige Silhouette der Stadt prägten. Die ersten Hochhäuser und Wohnblöcke entstanden erst ab dem Ende der 1950er Jahre.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/8

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