Beim Bau der Mangfallbrücke bei Schwaig am 19. April 1906

1906

Als sich am 19. April 1906 die Arbeiter beim Bau der Schwaiger Mangfallbrücke dem Fotografen präsentierten, war das Bauwerk fast fertiggestellt. Die Übergabe der Brücke an den Verkehr folgte sechs Wochen später, am 2 . Juni 1906, ,,ohne jeglichen feierlichen Zeremoniell", wie der „Rosenheimer Anzeiger" bemerkte. Mit der Brücke konnte die Staatsstraße Rosenheim- Aibling deutlich verbessert werden, zumal das königliche Straßen- und Flussbauamt auch das Teilstück von Rosenheim bis zur Abzweigung nach Pang mit einem neuen Unterbau und einer Basaltschotterdecke versehen ließ. Die neue Brücke selbst ersetzte eine alte hölzerne Konstruktion und verfügte über Widerlager aus Stahlbeton und einen Oberbau aus Stahl mit einer Spannweite von 42 Metern. Die Fahrbahn auf der Brücke war fünf Meter breit und mit Granit gepflastert. Außen waren zwei Fußgängerstege angebracht. Die Stahlkonstruktion wurde von der Würzburger Firma Georg Noell & Co. geliefert und ausgeführt. Das Unternehmen produzierte seit den 1850er Jahren Eisenbahnwaggons und machte sich ab 1879 auch im Stahlbrückenbau einen Namen.
,,Mit der Fertigstellung dieser Brücke wurde ein sehenswertes, in die Landschaft schön eingefügtes Bauwerk vollendet" , war im „Rosenheimer Anzeiger" über das 150.000 Mark teure Projekt zu lesen. Die neue Mangfallbrücke bei Schwaig gehörte zu den zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen, die in und um Rosenheim während der Gründerzeit durchgeführt wurden. Als größte Stahlfachwerkbrücke der Umgebung galt damals die 1865/66 neu errichtete Straßenbrücke über den Inn. Auch alle Brücken über die Mangfall wurden Ende des 19. Jahrhunderts neu erbaut. Ab 1891 führte zudem ein eiserner Steig über das Bahngelände und 1900 wurde als Teil der Münchener Straße eine Brücke über die Gleisanlagen fertiggestellt. Heute ist in Rosenheim nur noch eine historische Stahlbrücke im Originalzustand erhalten: die 1907 errichtete Brücke des einstigen städtischen Industriegleises über die Mangfall nahe ihrer Mündung in den Inn.

Text: Karl Mair
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2021/5

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