Richtfest beim Bau der „Elektrischen Centrale“ Oberwöhr

3. August 1896
Richtfest beim Bau der „Elektrischen Centrale“ Oberwöhr am 3. August 1896

Der Bau des Elektrizitätswerks Oberwöhr gehört zu den größten technischen Errungenschaften in der Geschichte der Stadt. 1893 beauftragten die beiden städtischen Kollegien, also Magistrat und Gemeindebevollmächtigte, den  Stadtbaumeister Georg Mackert, die Möglichkeit für den Bau eines Elektrizitätswerks unter Ausnutzung der Wasserkraft der Mangfall zu untersuchen. Das Konzept sah vor, dafür einen eigenen Kanal zu errichten, der bei Schwaig nahe der Einmündung des Werkskanals der Kolbermoorer Spinnerei von der Mangfall abzweigen und beim Mitterwöhr nahe der Kunstmühle enden sollte. Etwa in der Mitte dieses Kanals mit einem Gefälle von knapp sechs Metern war
die „Elektrische Centrale“, das Maschinenhaus des Kraftwerks, geplant. Nachdem das Projekt allgemeine Zustimmung fand, wurde der angesehene Münchner Ingenieur Oskar von Miller mit der Detailplanung beauftragt.
Nach der Genehmigung des Kgl. Bezirksamts Rosenheim am 1. Mai 1895 konnte mit dem Bau der damals noch außerhalb der Stadtgrenzen gelegenen Anlage begonnen werden. Im Mai 1896 forderte der Stadtmagistrat die Rosenheimer Hausbesitzer auf, ihr Interesse an einem Stromanschluss verbindlich beim Stadtbauamt anzumelden. Am 3. August 1896 konnte das Richtfest für den Bau des Elektrizitätswerks gefeiert werden. Das Kalenderbild zeigt die Arbeiter vor dem damals im Rohbau befindlichen Maschinenhaus. Am 14. Oktober 1896 wurden zum ersten Mal die Schleusen gezogen und Wasser in den neuen Kanal eingelassen. Gegen Jahresende 1896 konnte das Elektrizitätswerk seinen Betrieb aufnehmen. Schnell gewöhnten sich die Rosenheimer an die Vorzüge der städtischen Stromversorgung. Als am Abend des 12. Oktober 1897 in das Maschinenhaus eingedrungene Mäuse einen zehnminütigen Stromausfall auslösten und die Stadt kurze Zeit im Dunkeln lag, sorgte dies – wie der „Rosenheimer Anzeiger“ berichtete – rasch für Unmut.
Anfang des Jahres 1900 erfolgte die erste Erweiterung des Elektrizitätswerks, um auch die Stromversorgung des Bahnhofs mit insgesamt 97 Bogen- und 980 Glühlampen über das städtische Werk sicherzustellen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage aufgrund des steigenden Strombedarfs mehrfach umgebaut und technisch verbessert. Heute spielt das Elektrizitätswerk Oberwöhr für die Stromversorgung der Stadt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/5

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