Postkutsche vor dem Rosenheimer Bahnhof

um 1910
Postkutsche vor dem Rosenheimer Bahnhof, um 1910

Das Kalenderbild zeigt eine winterliche Szene vor dem Rosenheimer Bahnhof in der Zeit um 1910. Nach drei Jahren Bauzeit war der zweite Rosenheimer Bahnhof im April 1876 in Betrieb genommen worden. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs war mit seinen Seitenflügeln insgesamt 97 Meter lang. Mit seiner fünfteiligen Grundkonzeption, der Fassadengliederung im Stil der Neurenaissance und den rundbogigen Eingängen ähnelte es den etwa gleichzeitig entstandenen Bahnhofsbauten von Donauwörth, Hof, Ingolstadt, Landshut (zweiter Bahnhof), München-Ost und Simbach. Architekt des Rosenheimer Bahnhofs war der auch mit anderen bayerischen Bahnhofsbauten betraute Jakob Graff. In den beiden eineinhalbgeschossigen Seitenflügeln des Bahnhofs waren im Osten der Anlage der prunkvolle Restaurationssaal für die 1. und 2. Klasse und im Westen das Postamt untergebracht, das rechts auf der Fotografie zu sehen ist. Der Beginn des Eisenbahnzeitalters hatte für eine Neuordnung des bayerischen Postwesens gesorgt. Nach dem Anschluss Rosenheims an das Bahnnetz 1857 konnte auch ein großer Teil des Postverkehrs über das neue Verkehrsmittel abgewickelt werden. Die bisherige Postexpedition im Gasthof der Familie Greiderer am Max-Josefs-Platz wurde aufgelöst und durch ein neues „Post- und Bahnamt“ ersetzt. Schon die provisorische Bahnstation am Roßacker umfasste eine Halle für das Bahnbetriebsbüro, die Telegraphenstation und den Postdienst. Im 1858 fertig gestellten ersten Bahnhof dienten schließlich mehrere Räume als „Postbureaux“. Als Ergänzung zum Postverkehr über das Bahnnetz gab es weiterhin Postkutschen von und nach Rosenheim. Eine solche Postkutsche, die den Transport von Reisenden und Postsendungen in die nicht über die Bahn erschlossenen Orte übernahm, ist auf dem Kalenderbild zu sehen.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2015/1

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