Neubau der Höheren Töchterschule

um 1910
Neubau der Höheren Töchterschule, um 1910

„Vollendet steht das herrliche Haus, prächtig schmückt es die Landschaft, stolz ist es aufgebaut im grünen Hag und trefflich in allen Teilen sorgfältig aufgeführt und ausgearbeitet durch eine emsig leitende Hand und die Fürsorge vieler fleißiger Hände; es bildet ein Schatzkästlein der Neubauten der Stadt Rosenheim, auf welche die ganze Gemeinde und ihre Bewohner mit Fug und Recht nur bleibend stolz sein können.“ So überschwänglich berichtete der „Rosenheimer Anzeiger“ am 3. September 1908 über den Neubau der Höheren Töchterschule an der Ebersberger Straße. In den Tagen zuvor konnte sich die Rosenheimer Bürgerschaft einen ersten Eindruck des fertig gestellten und zur allgemeinen Besichtigung freigegebenen Gebäudes machen.
Eine Höhere Töchterschule als weiterführende Schule für Mädchen gab es seit 1890 in Rosenheim. Sie war zunächst in einigen Räumen des Mädchenschulhauses an der Heilig-Geist-Straße untergebracht. 34 Mädchen hatten hier im Schuljahr 1890/91 eine dreijährige, vom Münchner Orden der Armen Schulschwestern geleitete Ausbildung begonnen. Weil die Schülerzahlen stiegen und die Erweiterung der Ausbildung auf sechs Jahrgangsstufen gewünscht war, entschloss sich der Stadtmagistrat, ein eigenes Gebäude für die Höhere Töchterschule zu errichten. Nach einer langen Planungsphase begannen im Juli 1907 die Bauarbeiten auf einem von der Stadtgemeinde erworbenen Grundstück am Beginn der Ebersberger Straße. Die Bezugnahme erfolgte bereits zum Schuljahr 1908/09.
Stadtbaurat Ferdinand Schlögl, der den Bau entworfen hatte, und die beteiligten Firmen schufen mit dem Schulhaus ein Gesamtkunstwerk im späten Jugendstil. Sowohl die Außenform des Gebäudes als auch die Inneneinrichtung und der parkartig angelegte Schulgarten wurden mit großem ästhetischem Gespür gestaltet. Als Pensionat enthielt die Schule auch Schlafsäle. Der größte und repräsentativste Raum des Hauses war die „Institutskapelle“. Deren Stuckaturen schuf die Münchner Firma Josef Schuler; die Ausmalung erfolgte erst 1923/24 durch den Kirchenmaler Hans Kögl aus München sowie den Rosenheimer Malerbetrieb Max Zierer. Zwischen 1939 und 1968 wurde das Schulhaus zunächst kriegsbedingt als Lazarett und später als Krankenhaus genutzt. Die Mädchenschule war in dieser Zeit in anderen Gebäuden untergebracht. Erst zum Schuljahr 1969/70 konnte die Schule – inzwischen in Karolinen-Gymnasium umbenannt – wieder ihr angestammtes Haus an der Ebersberger Straße beziehen. Zuvor war das Gebäude tiefgreifend modernisiert worden, wobei man sämtliche Jugendstildetails entfernte. Im Jahr 2015 feierte das Gymnasium, das seit 1987 auch von Knaben besucht wird, sein 125jähriges Bestehen.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/7

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