In der Rathausstraße

1928
In der Rathausstraße, 1928

Zusammen mit dem ersten, 1858 fertig gestellten Bahnhof und der zugehörigen Lokomotivenremise erwarb die Stadtgemeinde Rosenheim 1878 auch Teile der ersten Bahntrasse von München nach Rosenheim. Diese wurde nicht mehr benötigt, nachdem die Eisenbahn seit 1876 den Stadtkern großräumig im Süden umfuhr. Der Stadtmagistrat ließ anstelle der alten Bahntrassen neue Straßen anlegen: Die ehemalige Trasse aus Richtung Holzkirchen wurde zur Wittelsbacherstraße, der frühere Gleiskörper der Grafinger Bahnlinie zur Promenadestraße, der späteren Prinzregentenstraße, und der stillgelegte erste Bahnhofsbereich erhielt den Namen Rathausstraße. Zunächst endeten die neuen, geradlinig verlaufenden Straßenzüge noch im Niemandsland. Später bildeten diese Straßen wichtige Erschließungsachsen für die Stadtentwicklung.
Das Kalenderbild zeigt die Rathausstraße im Jahr 1928. Die Alleebäume auf der rechten Straßenseite waren bereits 1880 gepflanzt worden. Links ist auf dem Bild die Villa des Baumeisters Max Lutz zu sehen. 1884 errichtete er das Haus im Stil der Neurenaissance, das seine eigene und zwei weitere Wohnungen enthielt. In der Bildmitte fällt der Blick auf den markanten Runderker des Eckhauses Rathausstraße 10 an der Einmündung der Straße Am Anger. Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus wurde 1899 fertig gestellt. Auftraggeber war der Arzt Dr. Anton Lechleuthner, ausführender Baumeister wiederum Max Lutz. Nicht geklärt ist, ob Lutz selbst oder ein Münchner Architekt für den Entwurf des Baus verantwortlich zeichnete. Die anspruchsvoll gestaltete Fassade besitzt sowohl neubarocke Formen als auch bereits eine frühe Jugendstilornamentik.
Angrenzend an das Lechleuthner´sche Haus wurden bis 1900 die Häuser Rathausstraße 6 und 8 erbaut. Der Anschluss zur Münchener Straße erfolgte erst 1913 durch das auf zwei Grundstücksparzellen errichtete Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns Alois Schauer. Im Hintergrund des Bildes ist der Gillitzerblock mit der Kuppel über dem Textilhaus Senft zu erkennen.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/7

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