Fronleichnamsprozession

22. Juni 1916
Fronleichnamsprozession im Kriegsjahr 1916

Schon seit dem 14. Jahrhundert wird das Fronleichnamsfest in seiner heutigen Form mit einer Prozession gefeiert, bei der das eucharistische Brot, die Hostie, in einer Monstranz durch die Straßen getragen wird. Als „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ erinnert Fronleichnam an die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl Jesu.
Die Rosenheimer Fronleichnamsprozession am 22. Juni 1916 stand spürbar unter dem Zeichen des seit zwei Jahren währenden Weltkriegs. Die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs und das weiß-blaue Banner Bayerns wehten an vielen Häusern. Die Prozession durch die Straßen der Stadt wurde von der Rosenheimer Bataillonskapelle begleitet. „Vom prächtigsten Sommerwetter begünstigt, konnte sich die Prozession in ihrer ganzen Pracht entfalten dank auch der überaus zahlreichen Teilnahme aus allen Kreisen der Einwohnerschaft“, schrieb der „Rosenheimer Anzeiger“. Im Mittelpunkt der Gebete standen, so das Blatt, die Wünsche nach „siegreichem Frieden“ und nach einer guten Ernte.
Das Kalenderbild entstand vermutlich aus einem Fenster des so genannten Hamberger-Hauses, Münchener Straße 9, und zeigt die Prozession in der Münchener Straße. Im Vordergrund sind Mädchen in ihren Kommunionkleidern zu sehen, gefolgt von Mitgliedern des Kirchenchores und der Rosenheimer Geistlichkeit. Zu beiden Seiten des Allerheiligsten schritt eine militärische Abordnung. Danach folgten die Leiter der Behörden, die Mitglieder der städtischen Kollegien und die Beamtenschaft. Die Rosenheimer Vereine hatten zu vollzähligem Erscheinen am Feiertag aufgerufen. Die Schlussfeier fand auf dem Ludwigsplatz statt und endete mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/6

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