Die Ausstellungsküche im Städtischen Museum

um 1905
Die Ausstellungsküche im Städtischen Museum, um 1905

In seiner Sitzung am 24. Januar 1894 beschloss der Rosenheimer Magistrat die Gründung des Städtischen Museums. Der Glasermeister Joseph Gietl hatte sich für die Museumsgründung besonders eingesetzt, die fortan von Bürgermeister Josef Wüst federführend vorangetrieben wurde. Schon am 1. Juni 1895 konnten im Mittertor vier Ausstellungsräume eröffnet werden. Damals hatte man bereits über 600 Objekte für das Rosenheimer Museum gesammelt.
Als das Einwohnermeldeamt im Jahr 1901 aus seinen Räumen im Mittertor auszog, beschloss der Magistrat eine Erweiterung und grundsätzliche Neuordnung des Museums durch Stadtarchivar Ludwig Eid. Dieser bemühte sich zum einen, die bestehende Sammlung um weitere Exponate zu ergänzen, zum anderen um eine Neugestaltung der Ausstellungsräume. Unterstützt wurde Eid dabei von Franz Zell, einem aus München stammenden gelernten Schreiner und Architekten, der sich um die frühe Erforschung bayerischer Volkskultur verdient gemacht hatte. Zell hatte 1901 auch an der Gestaltung der damals viel beachteten Ausstellung „Volkskunst im Allgäu“ in Kaufbeuren mitgearbeitet.
In Rosenheim war Franz Zell für die Ausgestaltung des nun auf zehn Räume erweiterten Museums verantwortlich. Unter ihnen waren das „Rosenheimer Zimmer“, die Trink- und Zunftstube, das Waffengewölbe und eine Kapelle. Ein Raum wurde als „Kuchel“ gestaltet, wie ihn das Kalenderbild zeigt. Über die Ausstellungsküche schrieb Ludwig Eid in seinem Museumsführer: „Das Rosenheimer gute Bürgerhaus hat von Alters her seinen eigenen Kochraum im Hause; und diesen haben wir hier aus durchaus echten Stücken (…) wieder geschaffen.“ Im Mittelpunkt der Küche stand ein großer Herd, in dem einst in alten Bürgerhäusern ein offenes Feuer brannte. Um diesen herum drapierte Franz Zell zahlreiche
in Rosenheimer Haushalten gesammelte Gebrauchsgegenstände.
Das Rosenheimer Museum erfüllte mit den thematisch gestalteten Räumen den damaligen Wunsch nach stimmungsvollen Inszenierungen. Im Lauf des Jahres 1903 zählte das Museum, das damals an Sonntagen und zusätzlich im Winter auch donnerstags sowie nach Vereinbarung geöffnet war, rund 3.000 Besucher. In den Jahren 1931/32 wurde das Städtische Museum erneut umgestaltet. Wiederum war Franz Zell für die Neuordnung der Räume verantwortlich.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/12

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