Die 3. Klasse der Präparandenschule

1919
Die 3. Klasse der Präparandenschule, 1919

1866 wurde die Berufsausbildung der Volksschullehrer in Bayern neu geregelt. Zur Vorbereitung des Besuchs des Schullehrerseminars führte man so genannte Präparandenschulen ein. Neben 34 anderen Städten wurde auch Rosenheim Sitz einer solchen Bildungseinrichtung. Ab 1878 war die Präparandenschule im neuen Rathaus untergebracht. Der wohl bekannteste Lehrer an der Schule war Ludwig Eid, der hier von 1895 bis 1903 unterrichtete und zugleich das Stadtarchiv betreute sowie den Historischen Verein gründete. 1910/11 ließ die Stadt Rosenheim für die Präparandenschule ein eigenes Gebäude errichten. Nach Plänen von Stadtbaumeister Ferdinand Schlögl entstand ein anspruchsvoll gestalteter Bau an der Ecke Prinzregentenstraße/Hohenzollernstraße.
Das Kalenderbild entstand 1919 und zeigt die damalige 3. Klasse der drei Jahrgangsstufen. Die 25 Schüler der Klasse waren, so der Jahresbericht der Schule, zwischen 1901 und 1903 geboren. Sie stammten überwiegend aus Rosenheim, dem Chiemgau und aus München. In der Bildmitte stehen die sieben Lehrer der Schule. Schulleiter war damals der Präparandenoberlehrer Johann Nepomuk Faussner, mit grauen Haaren und Schnurrbart auf der ersten Treppenstufe stehend. In der zweiten Reihe sind außerdem die Französischlehrerin Maria Beilhack und rechts neben ihr der Religionslehrer Dr. Anton Michel zu erkennen. Neben Deutsch, Arithmetik und einigen Nebenfächern nahm der Instrumentalunterricht in Orgel, Klavier und Violine sowie der Gesangsunterricht einen Schwerpunkt im Stundenplan ein. Die Schule zählte 1919 insgesamt 68 Schüler. Mit einem aus fünf Mitgliedern bestehenden Schülerausschuss gab es bereits eine Interessenvertretung der Schüler.
1924 wurden die Präparandenschulen in Bayern aufgelöst. Die insgesamt sechsjährige Ausbildung der Volksschullehrer erfolgte nun ausschließlich in den Lehrerbildungsanstalten. In die ehemalige Rosenheimer Präparandenschule zog 1925 das neu gegründete Holztechnikum ein. Seit 1969 ist in dem Gebäude eine Grundschule untergebracht.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/4

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