Das „Rosenheimer Volkstheater“

1907
Das „Rosenheimer Volkstheater“, 1907

Im Zuge der allgemeinen Rückbesinnung auf die traditionelle Volkskultur und beeinflusst durch den zunehmenden Fremdenverkehr entstanden in vielen bayerischen Orten Ende des 19. Jahrhunderts Schuhplattlergesellschaften, Trachtenvereine und Bauerntheater. Als bekanntestes Ensemble der neuen Gattung Bauerntheater galt das 1892 gegründete „Schlierseer Bauerntheater“, das bereits 1895 in Amerika auftrat.
1893, nur ein Jahr nach Gründung des Schlierseer Volkstheaters, hoben auch Mitglieder des seit 1889 bestehenden Rosenheimer Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins ein Theaterensemble aus der Taufe, das an die Erfolge der Schlierseer anknüpfen wollte. Die erste Vorstellung fand am 11. Februar 1894 mit dem von Hans Neuert verfassten Stück „Schlagring“ im Saal der „Alten Post“ am Ludwigsplatz statt. Im Mittelpunkt des „Rosenheimer Volkstheaters“, wie sich das Ensemble seit 1902 nannte, stand der gelernte Bildhauer Alois Bach. Er fungierte als Regisseur, Schauspieler und Stückeschreiber. Am 20. März 1897 führte Bachs Theatergruppe das von ihm verfasste Stück „Falsche Liab“ anlässlich der Eröffnung des Hotels „Deutscher Kaiser“ in dessen prunkvollem Festsaal auf. Die Darbietungen des „Rosenheimer Volkstheaters“ gehörten von nun an zu den Attraktionen im Veranstaltungsprogramm des „Deutschen Kaiser“. Alois Bach hatte mit seiner Truppe die Tradition des Rosenheimer Amateurtheaters begründet. Das Kalenderbild zeigt das Ensemble des „Rosenheimer Volkstheaters“ im März 1907.
In den 1920er Jahren ging das Interesse am Genre „Bauerntheater“ zurück, zumal zunehmend Münchner Theaterensembles zu Gastspielen nach Rosenheim kamen und auch der Saal des „Deutschen Kaiser“ im Zuge des aufkommenden Films regelmäßig als „Lichtspieltheater“ genutzt wurde.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2015/10

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