Das Lederer-Geist-Haus am Ludwigsplatz

1903
Das Lederer-Geist-Haus am Ludwigsplatz, 1903

Zu den weitgehend ursprünglich erhaltenen Altstadthäusern zählt das so genannte Lederer-Geist-Haus, Ludwigsplatz 12. Die Grundstücksparzelle dürfte bereits im Zuge der Entstehung des Äußeren Marktes im 15. Jahrhundert bebaut worden sein. Die Grundmauern des heutigen Gebäudes gehen zusammen mit dem Laubengang im Erdgeschoss wohl auf das 16. Jahrhundert zurück. Ursprünglich bestand das Anwesen aus zwei schmäleren Häusern, wie an der Traufe noch immer erkennbar ist. Erster namentlich bekannter Besitzer der linken Haushälfte ist 1618 Hans Schmid, von Beruf Weißgerber. Für das Handwerk der Gerber, früher oft auch Lederer genannt, bot der unmittelbar hinter dem Haus vorbeifließende Mühlbach eine ideale Voraussetzung. Um 1640 folgte Georg Schmid als Besitzer, der nach dem großen Marktbrand von 1641 als einer der Schätzer für die Brandschäden eingesetzt war.
In den folgenden gut 100 Jahren wurde das Haus mehrfach getauscht, vererbt oder durch Einheirat übernommen, bis 1776 der Lederer Andreas Forstner aus Buchbach bei Mühldorf das damals verschuldete Anwesen erwarb. Forstner besaß das Haus bis zu seinem Tod 1815. Sein gleichnamiger Enkel erwarb schließlich um 1860 das westliche Nachbarhaus und ließ beide Gebäude 1865 baulich miteinander vereinigen. Wenige Jahre später wurde der nahe des Hauses gelegene Torbau zur Färberstraße hin abgebrochen. 1878 heiratete Andreas Forstners Tochter Theres den aus Kraiburg stammenden Rotgerber Alois Geist. Ein Rotgerber verarbeitete Rinderhäute zu kräftigen Ledern, aus denen man Gürtel, Schuhe oder Sättel fertigte. Geist war der letzte Lederermeister in der Besitzergeschichte des Hauses. 1901 verstarb er erst 45jährig infolge eines Sturzes. Das Haus ging an seine Witwe über, 1907 dann an die Tochter Elise, die mit ihrem Ehemann Josef Fierlinger im Erdgeschoss noch eine Lederhandlung betrieb. In den 1920er Jahren erwarben die Metzgerseheleute Anton und Therese Heindl das Haus. Das Kalenderbild zeigt es im Jahr 1903. Die Malerei am Eckerker stellt
die Krönung Mariens dar. Das Bild wurde 1934 durch den Rosenheimer Maler Michael Licklederer erneuert.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2017/10

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