Blick auf Rosenheim von Leonhardspfunzen aus

1928
Blick auf Rosenheim von Leonhardspfunzen aus, 1928

Rosenheim ist „in selten glücklicher Lage“, schrieb der Arzt, Schriftsteller und Alpinist Dr. Julius Mayr 1927: „Weit genug von den Alpen entfernt, um ein ausgedehntes Panorama zu genießen, ist die Stadt doch nahe genug, um alle Einzelheiten und wechselnden Stimmungen der Berge erkennen zu lassen von dem gleichmäßigen Dufte, den unbehinderte Sonnenglut über die Berge legt bis zu dem Düster der Gewitterwolken, da die Felsen leuchten und jeder Stamm des Bergwalds greifbar nahe erscheint.“

Die beliebtesten Rosenheimer Aussichtspunkte auf das Alpenpanorama waren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts der Hofbräu-Keller an der Ebersberger Straße, die „Schöne Aussicht“ bei Fürstätt und das rechte Innhochufer um Schloßberg und Höhensteig. Am Innhochufer nahe Leonhardspfunzen hat sich der Fotograf für das Kalenderbild positioniert, das die Aussicht auf Rosenheim und die Alpen um 1930 zeigt. Von links wandert der Blick dabei über die Erlöserkirche, die Josephskirche und das 1928 umgebaute Krankenhaus zum markanten Turm der Nikolauskirche. Rechts des Kirchturms sind die Schlote von Saline und Hammerviertel zu erkennen, dazwischen die Zwiebelkuppel der Heilig-Geist-Kirche. Am rechten Bildrand erhebt sich die Kunstmühle mit dem Siloturm von 1916. Im Vordergrund fällt der Blick auf die Innauen mit ihren Obstbaumkulturen. Hinter der Stadt erheben sich links die Wendelsteingruppe mit den drei Gipfeln von Hochsalwand, Soinwand und Wendelstein und rechts der Bildmitte der Breitenstein.

Nach dem Rückgang der Bedeutung von Rosenheim als Heilbad versuchte die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Ausgangspunkt für Alpenreisende touristische Bedeutung zu erlangen. Dafür wurde 1872 ein Verschönerungsverein gegründet, der die Stadt — dem Beispiel ähnlicher Vereinsgründungen in anderen „Fremdenorten“ folgend — für Gäste attraktiv machen sollte. Trotz verschiedenster Bemühungen und einem kontinuierlichen Ausbau des Hotel- und Gaststättenangebots konnte Rosenheim jedoch nicht an die touristischen Erfolge anderer Orte am Alpenrand anknüpfen.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2013/6

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