Die Metzgerei Peisl, Hofmannstraße 10

um 1930
Die Metzgerei Peisl, Hofmannstraße 10, um 1930

Das Metzgerhandwerk war in Rosenheim seit jeher sehr verbreitet. Schon für das 17. Jahrhundert sind in dem knapp 2.000 Einwohner zählenden Markt elf Metzger belegt. Das Handwerk konzentrierte sich besonders im Bereich der heutigen Färberstraße, von der ein Teil zeitweise Metzgergasse genannt wurde. Mit der Fleischbank neben dem Inntor besaßen die Metzger eine gemeinsame Verkaufsstelle.
Das Kalenderbild zeigt die Alt- und Schweinemetzgerei Eduard Peisl in der Hofmannstraße 10 um das Jahr 1930. Metzgermeister Eduard Peisl junior – an der Kappe zu erkennen – steht mit seinen Gehilfen stolz neben einem Mastochsen. Eduard Peisl junior hatte die Metzgerei 1919 von seinem Vater übernommen. Dieser stammte aus Landau in Niederbayern und machte sich 1886 in Rosenheim selbstständig. Während sich der Betrieb im Anwesen Hofmannstraße 10 befand, wo man 1900 ein Rückgebäude mit Wurstküche und Eiskeller errichtete, wurden die erzeugten Fleisch- und Wurstwaren in einem nahe gelegenen Laden in der Innstraße 22 verkauft. Später kam am Max-Josefs-Platz 18 eine zweite Verkaufsstelle hinzu. Mitte der 1920er Jahre gab Eduard Peisl den Laden in der Innstraße auf und eröffnete im Haus Max-Josefs-Platz 30 – unweit der bestehenden Filiale – einen weiteren Laden. In den 1930er Jahren schloss Peisl wiederum das Geschäft am Max-Josefs-Platz 18. Nach Peisls Tod 1950 führte Georg Linner den Betrieb weiter.
Als die Fotografie entstand, gab es in Rosenheim laut dem Adressbuch von 1926 immerhin 36 Metzgereien sowie zwei Pferdemetzgereien. Längst vergessen ist heute der Begriff des Altmetzgers. Laut den „Münchener ortspolizeilichen Vorschriften“ von 1861 verarbeiteten sogenannte Altmetzger nur Ochsenfleisch, Jungmetzger hingegen Kalb-, Schaf-, Lamm- und Schweinefleisch. Diese Differenzierung ging auf die Unterscheidung zwischen Alt- und Jungvieh zurück. Als Altvieh wurden – so hielt es Johann Andreas Schmeller 1827 in seinem „Bayerischen Wörterbuch“ fest – Ochsen und Kühe bezeichnet, als Jungvieh Kälber, Schafe und Schweine.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2016/4

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