Die Flötzinger-Bierhalle auf dem Volksfest

um 1930
Die Flötzinger-Bierhalle auf dem Volksfest, um 1930

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert gehörte den Inhabern der Flötzinger-Brauerei eine landwirtschaftliche Fläche südlich der Loretowiese. Mit der Nutzung der Loretowiese als Volksfestplatz ab 1861 gewannen die benachbarten Flötzinger-Gründe eine neue Bedeutung: Die Brauerei konnte während der Volksfeste ihre Bierbude auf eigenem Grund errichten und war damit auf dem Festgelände – zumindest an dessen Rand – vertreten. Diese günstige Lage brachte den Brauereibesitzer Josef Krichbaumer im Vorfeld des geplanten großen Volksfestes 1914 auf die Idee, eine große Wagenremise zu erbauen, die bei Volksfesten als Bierhalle dienen sollte. Nach einem Entwurf des Baumeisters Leonhard Hell wurde 1913 ein gut 35 Meter langes Gebäude errichtet. Die längs der damaligen Sebastianiallee stehende Halle war zur Loretowiese hin offen; östlich war ein Querbau mit Küche angebaut.
Weil das Volksfest 1914 wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs abgesagt werden musste, diente die Remise erst während des Volksfestes 1925 erstmals als Bierhalle. Das Kalenderbild entstand entweder beim Volksfest von 1928 oder jenem von 1931 und zeigt den Blick ins Innere der Flötzinger'schen Bierhalle. Vom Deckengebälk hingen Kränze aus Tannenzweigen, die mit Stoffbändern geschmückt waren. Die sonst offene Seite zum Festplatz hin war durch Zeltstoff geschlossen. Die Bestuhlung bestand aus einfachen schmalen Biertischen, zum Teil ergänzt durch runde und eckige Tische mit Klappstühlen. In der Mitte der Halle lag das Podium für die Musikkapelle. Im Hintergrund sind auf dem Bild die typischen Bierkrüge aus Steinzeug zu sehen.
Ein Lageplan des Festplatzes von 1933 belegt, dass die Halle der Flötzinger-Brauerei damals für den Festbetrieb durch Zeltanbauten auf die doppelte Fläche erweitert worden war. Anlässlich des Frühlingsfestes 1949 fand zum letzten Mal der Bierausschank der Flötzinger-Brauerei in dem Gebäude statt. In der Nacht von 21. auf 22. September 1949 brannte die Remise vollständig ab. Seit dem Herbstfest 1950 lässt die Brauerei jedes Jahr ein großes Bierzelt aufbauen.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2015/9

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