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Das Boten- und Postwesen in Rosenheim bis ins frühe 19. Jahrhundert

- Das barocke Rosenheim auf dem Kupferstich von Michael Wening, veröffentlicht 1701
Bis zum späten Mittelalter gab es keine öffentliche Post in Deutschland. Kaiser, Klerus und Reichsfürsten benutzten Boten und Reiter, die mit schriftlichen Nachrichten direkt zu den Zielorten geschickt wurden. In den Städten entwickelte sich ein Botenwesen mit hauptberuflichen Boten und Lohnkutschern. Im 16. Jahrhundert entstand schließlich die Kaiserliche Reichspost, die als erstes überregionales Postunternehmen von der Familie Thurn und Taxis betrieben wurde.

- Die Adlzreiterstraße in der Rosenheimer Altstadt hieß bis 1882 „Botengasse“, was auf eine frühere Konzentration von Boten in dieser Straße schließen lässt. Foto aus den 1930er Jahren

- Eidesformel für den Dienstantritt des Salzburger Boten Alois Mayer, aus Rosenheim, 1803
Zwischen den oberbayerischen Provinzzentren erfolgte die Nachrichtenübermittlung bis ins frühe 19. Jahrhundert überwiegend durch bürgerliche Boten. Sie beförderten kleinere Pakete, offizielle Dokumente und persönliche Briefe und überbrachten auch mündliche Nachrichten.
Rosenheim war als bedeutender Handelsort und Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrswege auch ein Zentrum des Botenwesens. Der „Münchner“, der „Salzburger“ und der „Wasserburger Bote“ verkehrten regelmäßig zwischen diesen Städten und Rosenheim.
Um 1810 gab es im Markt Rosenheim vier bürgerliche Boten. Einer davon war der Salzburger Bote Alois Mayer: Er musste 1803 bei Übernahme seines Amtes einen Eid schwören, dass er mit allen „anvertrauten Sachen pflichtmäßig umgehen“ und sich „gegen Jedermann getreu und unparteiisch zeigen“ werde. Neben den bürgerlichen, hier ansässigen Boten wurde Rosenheim auch von auswärtigen, durchreisenden Boten frequentiert. An der Wende zum 19. Jahrhundert lag der Markt jedoch abseits der offiziellen Poststraßen.
Text: Karl Mair
