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April - Die Papierwarenfabrik M. Niedermayr in der Brückenstraße um 1920

- Die Papierwarenfabrik M. Niedermayr in der Brückenstraße um 1920
Michael Niedermayr aus Hinterhör bei Altenbeuern erwarb 1871 die Buchdruckerei und Verlagshandlung des „Rosenheimer Anzeigers“. Ein Jahr später heiratete er Anna Lutz, die Tochter des Baumeisters Simon Lutz. 1879 meldete Niedermayr beim Magistrat das Gewerbe einer Papiertütenfabrikation an, die bei seinem Wohnhaus in der Hafnerstraße 3 untergebracht war. 1892 verlegte Niedermayr Verlag und Druckerei in ein durch ihn neu errichtetes Wohn- und Geschäftshaus an der Promenadestraße (heute Prinzregentenstraße); die Tütenfabrik verblieb jedoch in der Hafnerstraße. Der Geschäftszweig der Papiertütenfabrikation war bald so erfolgreich, dass Robert Niedermayr – er hatte 1907 das väterliche Unternehmen übernommen – sich zu einem großen Fabrikneubau entschloss. 1911/12 entstand an der äußeren Rathausstraße (heute Brückenstraße 1) ein imposantes Industriegebäude. Planung und Bauausführung oblag dem Rosenheimer Architekten und Baumeister David Schray, der 1910 die Baufirma Lutz übernommen hatte. Die „Papierwarenfabrik“ hatte Anschluss an das 1907 errichtete städtische Industriegleis, das vom Bahnhof zum Grenzschlachthof führte und dabei das Gelände der neuen Fabrik streifte.
1929 erhielt das Gebäude vor dem linken Giebel einen Büroanbau. 1938 erfolgte der Neubau einer Werkshalle. Die wöchentliche Produktion der Papierwarenfabrik Niedermayr betrug 1931 15 bis 20 Millionen Tüten, Beutel und Zigarrenspitzen. Die Fabrik war in den 1920er Jahren zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt worden und unterhielt einige Zweigniederlassungen, wobei das Stammhaus Rosenheim Zementsäcke aus drei- oder vierfachen Kraftpapieren fertigte. An den Fabrikbetrieb war eine Druckerei für die Beschriftung der Papiersäcke angegliedert. 2002 gab die „Niedermayr Papierwarenfabrik AG“ ihre operative Tätigkeit auf. Das ehemalige Fabrikgebäude wurde einige Jahre später verkauft. 2010 wurde schließlich mit der Sanierung des Gebäudes begonnen, das als bemerkenswerter Industriebau des frühen 20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz steht.