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Januar - Die Kaiserstraße

- Die Kaiserstraße vom Ludwigsplatz aus, um 1910
Mit der Neubezeichnung und Neunummerierung der Straßen in Rosenheim im Jahr 1882 wurde die alte Wiesengasse in Kaiserstraße umbenannt. Dies geschah zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I., der auf seinen Reisen nach Bad Gastein in den Jahren 1876 bis 1885 insgesamt neunmal die Stadt Rosenheim besuchte. Namensgebend für die Wiesengasse war eines der Rosenheimer Stadttore, das Wiesentor, das die Gasse stadtauswärts abschloss. Mit zunehmendem Verkehr - insbesondere an Markttagen - stellte das Tor jedoch eine Behinderung dar und wurde deshalb 1878 abgebrochen. Das Kalenderbild zeigt den Blick des Betrachters nach Norden in die bereits kopfsteingepflasterte Kaiserstraße. Links im Bild hinter dem Viehkarren sieht man den alten gusseisernen Fischbrunnen, der 1866 errichtet wurde. Das Wasser floss in vier Schalen, die Brunnenspitze krönte eine Blumenschale.
1927 wurde dieser Brunnen im Zuge der Asphaltierung des Ludwigplatzes entfernt und durch den heutigen Brunnen, der nach einem Entwurf des Münchner Professors Georg Albertshofer gestaltet wurde, ersetzt. Der Name „Fischbrunnen" stammt aus der Zeit, als an diesem Platz freitags und den Tagen der Fastenzeit regelmäßig der Fischmarkt stattfand, wobei zum Frischhalten der Ware das Brunnenwasser verwendet wurde. Verschwommen erkennbar sind auf dem Foto Menschen und Vieh - wohl auf dem Weg zum Marktplatz. Die Möglichkeiten der Fotografie waren um 1910 noch nicht ausgereift, so dass Unscharfe durch Bewegungen nicht zu vermeiden war.
Der Fotograf dieser Aufnahme war August Haupt, der seit 1896 als Gehilfe in der Rieder`schen Apotheke, der heutigen Alten Apotheke, arbeitete. Vermutlich sollte Haupt im Auftrag seines Arbeitgebers, der Apothekerswitwe Franziska Rieder, das Geschäftshaus fotografieren. Der Blick hat sich bis heute kaum verändert. Schon damals gab es alteingesessene Geschäfte wie Finsterwalder und Huber-Seiler, dominierte rechts die Alte Apotheke das Ensemble.
Damals wie heute war die Kaiserstraße eine Geschäftsstraße, die mit einer Vielzahl an Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten die Kundschaft lockte. Bäckereien und Brauereien prägten das Bild. Vor dem Kriechbaumer-Anwesen, dem Flötzinger Bräu, warten Karren auf ihre Beladung. Die Kaiserstraße war auch damals eine der wichtigsten Zufahrtsmöglichkeiten zum Stadtkern.